Kester-Haeusler-Stiftung

Auswahlverfahren

Die Kester-Haeusler-Stiftung ehrt den Künstler Karl Trautmann mit einer Jubiläumsveranstaltung und erfüllt damit auch einen Teil ihres Stiftungszwecks.

Ein Großteil dieses umfangreichen Nachlasses sowie persönliche Zeugnisse Karl Trautmanns und Archivalien zur Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck befinden sich mit dem Trautmann-Archiv im Eigentum der Kester-Haeusler-Stiftung. Die Erbinnen von Karl Trautmanns Nachlass und späteren Stiftungsgründerinnen Gabriele und Miriam Haeusler ließen in ehrendem Andenken an ihren Künstlerfreund Karl Trautmann die Betreuung und Pflege seines künstlerischen Erbes in der Stiftungssatzung festschreiben. Mit der erstmaligen Verleihung des Karl Trautmann-Kunstpreises macht die Kester-Haeusler-Stiftung in besonderer Weise deutlich, wie sehr sie dem künstlerischen Werk des Malers verpflichtet ist. Die Ausstellung in der Kulturwerkstatt HAUS 10 soll vor allem einer breiten Öffentlichkeit das Werk Karl Trautmanns zugänglich machen. Damit fördert die Kester-Haeusler-Stiftung ein begründetes kunsthistorisches Interesse für die Sammlung wie auch die Wahrnehmung eines kulturellen Erbes.

In Anlehnung an das bevorzugte Thema im Werk Karl Trautmanns wurde der Kunstpreis 2011 im Frühjahr dieses Jahres mit dem Motto »Lebensräume« ausgeschrieben, parallel dazu ein Kunstförderpreis mit dem Motto »Lebensträume«. Letzterer wurde im Juli 2011 an vier Schüler aus dem Landkreis für ihre jeweils künstlerisch überzeugenden Arbeiten verliehen. Die Ausschreibung für den Karl Trautmann-Kunstpreis 2011 bezog sich auf die Gattungen Malerei, Zeichnung und Druckgraphik. Angesprochen waren Künstlerinnen und Künstler, die ihren Wohnsitz im Landkreis Fürstenfeldbruck haben bzw. durch eine Mitgliedschaft in einer ansässigen Künstlervereinigung im Landkreis künstlerisch tätig sind. Nach einem ersten Auswahlverfahren wurden nach den Kriterien einer professionellen künstlerischen Ausbildung und dem Beitrag zu einer möglichst vielfältigen Gesamtschau der aktuellen, regionalen Kunstszene einundzwanzig Künstlerinnen und Künstler zur Endauswahl eingeladen. Hierbei waren die Anzahl von maximal drei eingereichten Originalen, der Entstehungszeitraum in den letzten fünf Jahren oder die Anfertigung für den Kunstpreis und eine maximale Werkgröße vorgegeben. Mit der Einreichung der Arbeiten im Stiftungssitz, der Haeusler-Villa, die oft persönlich durch die Künstler erfolgte, wurde seit dem Sommer dieses Jahres auch die altehrwürdige Atmosphäre in der Kester-Haeusler-Stiftung sichtbar verändert. Eine denkmalgeschützte Villa, antike Möbel, ein Ahnenzimmer und Gemälde aus vergangenen Zeiten verbanden sich in der Zusammenschau mit zeitgenössischer Kunst zu einer bunt leuchtenden Welt, schafften eine harmonische Lebendigkeit und ein inspirierendes Ambiente.

Im September des Jahres wählte dann eine vierköpfige Jury in der Haeusler-Villa die zehn Finalisten aus. Die Entscheidung für die Verleihung des Kunstpreises fiel einstimmig und gleichermaßen auf zwei Teilnehmer. Sie hing von der Bewertung des künstlerischen Gesamteindrucks der eingereichten Arbeiten und einer Korrelation zu Karl Trautmanns Werk ab.

Über das Motto »Lebensräume« war die Verbindung zu Karl Trautmann mit seinen vielfachen Stadtansichten sowie Landschafts- und Interieurbildern hergestellt. Dazu bekamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Anschreiben zum Karl Trautmann-Kunstpreis 2011 Informationen über dessen Biographie und Schaffen an die Hand. Über eine Auswahl von Definitionen zum Thema »Lebensraum« auf den Facettenreichtum dieses Mottos einlassen und wurden auf vielfältigste Umsetzungsmöglichkeiten eingestimmt.

Herausgekommen ist mit der Einreichung der überwiegend malerischen Werke schließlich ein Spektrum von abstrakter, abstrahierter und konkreter Kunst bis hin zu gegenständlichen und fotorealistischen Motiven. Vieles davon kann in Beziehung zu Trautmanns Schaffen gesetzt werden wie zum Beispiel Variationen menschenleerer Tankstellen in der formalen Starrheit Edward Hoppers als Stadtansichten der Gegenwart oder in einem anderen Fall die Wahl des
Blickwinkels für Kanten, Beine, angeschnittenen Platten von Tischen. Landschaftsmalereien, zum Teil mit mythologischem Inhalt, alpinen Details oder »gezoomten«, bis ins Abstrakte vergrößerten Ausschnitten führen die fortlaufende Wiederholung dieses Sujets seit damals vor Augen, formreduzierte Blumenbilder mit grober Oberflächenstruktur die Weiterentwicklung von Stillleben. Abstrakte, großformatige Werke muten wie Ansichten der Erdoberfläche mit einem besonders weit entfernten Standpunkt zum Objekt an, was das Verständnis von Lebensraum bis ins Unendliche ausdehnt. Weitere Werke abstrakter Kunst veranschaulichen Bewegungen, Prozesse, Rhythmen als nicht greifbare Bestandteile im Lebensraum oder erfassen Illusionen wie den Horizont. Konkrete Kunst wiederum korreliert in ihrer strengen Linienführung mit der naturalistischen Akribie Karl Trautmanns. Innerhalb der Auswahl konkreter Kunst stand in einem Fall die Beschäftigung mit Licht und Lichtverhältnissen im Mittelpunkt, was spontan die Erinnerung an Künstlervorfahren und Freiluftmalerei im Amperland weckt. Für einen anderen Künstler ist Lebensraum mitsamt den ihn bewohnenden Menschen ein Konstrukt aus Linien.

Spätestens dann, wenn Lebensräume durch Menschliches belebt werden, drängt sich die Frage nach dem Unterschied heutiger Lebensverhältnisse zu früheren auf. Die Wahl leuchtender Farben, fotorealistische Porträts oder übergroße Dimensionen vergegenwärtigen die heutige Grundausstattung von Lebensraum mit starken Reizen, Hightech sowie beschleunigtem Wertewandel. Titel wie »leisure planet« oder »Irgendwo« regen die Auseinandersetzungen mit Vergnügungswelten oder beliebig wiederholbaren Lebensereignissen an. Die düstere Fixierung eines gefährlichen Ereignisses wie die jüngste Natur- und Kernreaktorkatastrophe reißen die Gedanken aus dem Kreisen um eigene Möglichkeiten heraus und stellen Grenzen im globalen Lebensraum klar. Mit graphischen Mitteln dargestellte Metamorphosen und Spannungssituationen bestärken die Annahme menschlichen Eingebundenseins in metaphysische Ordnungen. 

Im Werk der Preisträgerin Barbara Mechler ist persönlicher Lebensraum konsequent thematisiert. Wiederholte autobiographische Reflexionen lassen Rückschlüsse auf eine ähnlich scheue Künstlerpersönlichkeit wie die Karl Trautmanns zu. Die Bildwirkung von ernster Isolation steht im Kontrast zur Darstellung mit dünnem Farbauftrag und pastellen Farbtönen. Dies gibt den Werken einen erleichternden Ausdruck von gläserner Fragilität. Der Künstler und
Preisträger Stephan Juttner reichte Darstellungen häuslicher Alltagsszenen ein. So wie in seinen Arbeiten Personendarstellungen den Bildmittelpunkt bilden und den Betrachter mitunter mit ihren unverwandten Blicken bannen, so korrespondieren seine dominant ins Bild geschobenen Tischplatten auch mit Karl Trautmanns Interieurbildern. 

Der mit 3.000€ dotierte Karl Trautmann-Kunstpreis 2011 wird deshalb zu gleichen Teilen an die Künstlerin Barbara Mechler aus Fürstenfeldbruck und den Künstler Stephan Juttner aus Nannhofen verliehen. 

In der Ausstellung werden neben Werken Karl Trautmanns und der beiden Preisträger die Arbeiten der acht Finalisten Günther Frey, Roland Helmer, Monique Marxreiter, Kerstin Müller, Herbert Nauderer, Charlotte Panowsky, Johannes Simon und Stefan Wehmeier gezeigt. 

Jurymitglieder waren: Andreas Binder, Galerist, München; Stefanie Gräfin von Hoyos, Vorsitzende der Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck; Dr. Susanne Thesing, Kunsthistorikerin, Neudrossenfeld; Prof. Dr. Volker Thieler, Rechtsanwalt, München

Anne Fischer, M. A.
Kunstsammlungen, Kester Haeusler-Stiftung, Fürstenfeldbruck

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