Mauerkunst

„Es ging nicht darum die Mauer zu verschönern, sondern darum sie zu entmythisieren.“ – Thierry Noir –


Die Kester-Haeusler-Stiftung hat im Rahmen der Kulturförderung das denkmalgeschützte Mauerstück mit dem Gemälde von Thierry Noir erworben, es wurde am 30.09.2020 bei einem Festakt im Haeusler- Garten enthüllt.

Thierry Noir ist der Künstler, dem die größte Betonleinwand der Welt zu verdanken ist. Seine Bilder sind die Bilder mit dem größten Wiedererkennungswert in der Berliner Mauerkunst. Aufgrund ihrer leuchtenden Farbigkeit und melancholischen Poesie konnten sie länger als alle anderen Bilder auf der Berliner Mauer überleben.
Thierry Noir wurde 1958 in Lyon, Frankreich geboren und kam im Januar 1982 mit zwei Koffern nach Berlin, angelockt durch die Musik der damals in Berlin lebenden Musiker David Bowie, Lou Reed und Iggy Pop. Ab April 1984 beginnt Thierry Noir Bilder auf die Berliner Mauer zu malen. Sie sollte der Untergrund werden, der sein Werk für Jahre hin prägen würde. Anfangs war die Bemalung nicht ohne Risiko: „Mit einem Auge musste man malen, mit dem anderen ständig aufpassen. Einmal z.B., im Mai 1984, sprangen vier maschinengewehrbewaffnete Vopos über die Mauer, um uns zu fassen“, so Noir.

Die Mauer wurde schon lange immer wieder bemalt, aber Noir‘s Stil wurde prägend für die Mauergraffiti und seine Bilder dominieren die zahlreichen Mauerpublikationen. Die bunten Köpfe im Profil tragen seine unverwechselbare, allegorische und rätselhafte Handschrift. Sie sind Sinnbilder für eine Welt der Poesie und stehen für Sehnsucht, Liebe und einen optimistischen Glauben an eine hoffnungsvolle Zukunft, was durch die Titel seiner Bilder noch unterstrichen wird. „Es ist die Poesie des Augenblicks, die Poetik der Sekunde, die Ironie des Momentanen, um die es mir geht“, so Noir 1996.
Das frühe Werk Thierry Noirs verschwand jedoch mit dem Fall der Mauer, vorvallem durch die massive Zerstörung durch Mauerspechte. Vorher waren es aber auch immer wieder Kreuzberger Bürger oder andere Gegner der illegalen Kunst, sie übertünchten die Mauerbilder, was Thierry Noir oft zu Restaurierungsmaßnahmen zwang.
Trotzdem oder gerade deshalb malte Noir weiter. Seine Mauerbilder wurden im Laufe der Jahre immer großformatiger und fanden zunehmend Resonanz auch in der internationalen Kunstszene. Anfangs malte er nur einen Kopf pro Segment.
Später, z.B. 1990 an der East-Side-Gallery, vergrößerte er das Format, damit die Köpfe auch von den zum Teil schnell vorbeifahrenden Autos erkannt werden können. Obwohl die East-Side-Gallery unter Denkmalschutz steht, musste er auch hier sein Werk immer wieder restaurieren (1993, 1996 und 1998).
1987 bemalte Noir ein Stück Mauerkulisse für den Wim Wenders Film „Der Himmel über Berlin“; 1991 wiederholte er diese Aktion an gleicher Stelle. Für die Gruppe U2 bemalte Thierry Noir 1990 sechs Trabants, die als Cover für die U2- Single „The Fly“ dienten.
Teile seiner original bemalten Berliner Mauer aus den Jahren vor der Wiedervereinigung stehen heute in Japan, Los Angeles, Springfield, New York, Washington DC, Mexiko, Frankreich, der Schweiz, Polen und natürlich in Deutschland.
(Quelle: Galerie Noir, Berlin; Bernhard v. Treeck)