Thierry Noir

 Die Kester Haeusler-Stiftung hat das von dem französischen Maler und wahrscheinlich bekanntestem Vertreter der Berliner Mauerkunst gestaltete Segment im Dezember 2019 in Berlin erworben. Am 30. September 2020 ist es bei einem Festakt in Garten der Haeusler-Villa eingeweiht worden.

 

Interview mit dem Künstler Thierry Noir zur Entstehung des Mauerstücks der Kester-Haeusler-Stiftung, Oktober 2021

 

Kester Haeusler-Stiftung, KH-Stiftung: Wann haben Sie das Mauerstück, das die Stiftung erworben hat, ungefähr gestaltet?
Thierry Noir: Dieses Segment der Berliner Mauer habe ich am 17. Juni 2007 zusammen mit 6 anderen Künstlern der East Side Gallery bemalt.

Können Sie uns etwas über den Originalstandort des Mauerstücks etwas sagen?
Thierry Noir: Ursprünglich stand das Mauerstück wie die anderen 6 Stücken in der Berliner Späthstraße und wurden 1989 dort demontiert. Nach Ihrer Bemalung 2007 standen die jeweils 2,6 Tonnen schweren Mauerteile bis zu ihrer Versteigerung als Touristenattraktion beim Hi-Flyer an der Zimmerstraße in Berlin-Mitte, unweit des Checkpoint Charlie, in einem privaten Mauerpark.

Der Eigentümer dieser 7 Segmente war damals Christian Romanowski. Er besaß ein Souvenirgeschäft in der Nähe des Checkpoint Charlie und gleichzeitig einen Laden in Wildau im Süden Berlins. Anfang 2009 mussten diese 7 Segmente ihren Platz räumen und Christian Romanowski ließ sie auf das Grundstück umziehen, auf dem sich sein Produktionsbetrieb in Wildau befand.

KH-Stiftung: Handelt es sich bei diesem Mauerstück um ein von Ihnen bereits selbst restauriertes Mauersegment?
Thierry Noir: Dieses Segment, das von mir nach dem Fall der Mauer gemalt wurde, ist mit einer Grundierung vorbereitet und nach der Bemalung nie restauriert worden. Es befindet sich also im Originalzustand.

Das Street Art Manifest von Thierry Noir

Das Street Art Manifest ist die Konzentration aller Energien, die durch die Kunst in Ihrer Straße erzeugt werden.
Sie sehen nun Ihre Nachbarschaft mit den Augen eines Straßenkünstlers, der für Sie die Schwingungen Ihrer Straße verwandelt hat.
Street Art ist eine Notwendigkeit in der Stadt.
Besonders in Nordeuropa, wo die Winter lange kalt und dunkel sind, ändert sich die Einstellung der Menschen in diesen langen Tagen der Melancholie.
Dann ist dies die Zeit, in der die Menschen Street Art wie Wasser und Brot brauchen.

Nach einer langen Fahrt durch die U-Bahnen und Busse in Ihrer Stadt erscheint plötzlich ein Street-Art- Gemälde um die Ecke.

In einer Sekunde schenkt Ihnen dieses Bild ein wenig Sonne in Ihr Herz oder vielleicht ein Lächeln. Du fühlst dich wieder wie ein Mensch.
Du hast das Recht, es nicht zu mögen.
Die neue Generation weigert sich, in grauen und dunklen Straßen zu leben.
Die Nachbarschaft muss anders sein.
Diese neue Generation, die mit Farbfernsehen und Internet aufgewachsen ist, möchte, dass Farben den langen Winter überdauern und zu neuen Inspirationen werden.
Kreativität ist eine Quelle für viele neue Arbeitsplätze in der Stadt.
Sie müssen Ihren eigenen Arbeitsplatz in einem sogenannten „Nischenmarkt“ schaffen.
Die Straßenkünstler geben den Menschen die Möglichkeit, sehr laut zu sagen:
„Wiederhole nicht die Fehler deiner Eltern.“